Von „Riders“ zu „Hikers“

18.02.2019 - Monika Bertram

Nachdem wir endlich den Begriff riders in das spanische Berufs- und Unternehmensjargon aufgenommen haben, entsteht ein neuer Begriff und eine neue Arbeitsweise: sogenannte hikers. Aber worum handelt es sich dabei?

Um diese neue Gruppe definieren zu können, müssen wir von der Definition der riders ausgehen. Riders entstanden aufgrund von Online-Lieferdiensten wie Deliveroo oder Glovo, deren Tätigkeit hauptsächlich in der Lieferung von Gerichten nach Hause besteht. Die Funktion der riders besteht nun in der Ausführung der Lieferung per Fahrrad, Motorrad oder E-Bike.

Für einige ist es eine neue Form, zu arbeiten, für andere, Dienstleistungen zu erbringen. In jedem Fall zieht sie die Aufmerksamkeit der Behörden sowie unseres Rechtssystems auf sich. Diese erwarten bis zum heutigen Tag die Entscheidung des spanischen obersten Gerichtshofs (Tribunal Supremo) in der Frage, ob es sich bei einem rider um einen gewöhnlichen Arbeiter oder um einen Selbstständigen handelt.

Auf Grundlage des Verständnisses des Begriffs des riders können wir uns nun der Analyse des hikers zuwenden. Diese neue Form ersetzt schließlich die traditionelle Form, auf der Straße und auf den Schultern eines Arbeiters Werbung zu betreiben. Das Zeitalter der Technologie und der Generation der millenials modernisieren den Sektor der Werbeträger: Die traditionellen Plakate werden von Rücksäcken mit eingebautem Tablet ersetzt. Mit Hilfe von Eye-Tracking-Software in der Front-Kamera kann in Echtzeit gemessen werden, wie die Werbekampagnen auf die Fußgänger wirken, die auf der Straße auf einen dieser hiker treffen.

Auch wenn diese neue Form heute noch nicht weit verbreitet ist, so ist doch sicher, dass es im Zeitalter 3.0, in dem wir uns bewegen, bald Realität werden wird und angesichts des absehbaren Anstiegs der hikers die Bürger wahrscheinlich mit Werbeaktionen auf der Straße schier überhäuft werden: nicht nur statisch auf Bussen und an Häuserwänden, sondern auch mobil auf Zweirädern. Daher werden die Stimulierung und die Kauf-Anreize die von den Marken gewünschte Wirkung nicht verfehlen.

Aber wie genau arbeitet ein hiker? Laut den herangezogenen Quellen muss der hiker seinen Rucksack „bestellen“, das entspricht einer Investition von 200 €-300 €. Ab dann kann er auf dem Weg, den er ausgewählt hat, oder welcher ihm vorgegeben wird, Botschafter der Marke sein, deren Werbung er trägt. Ein hiker kann selbstständig tätig sein oder nicht. Erstere erhalten eine Vergütung in Höhe von 100 €-200 € im Monat, letztere eine in Form von Rabatten oder Geschenkkarten der beworbenen Marke, so zumindest definiert es das Startup-Unternehmen, welches diese neue Form bewirbt. Aus arbeitsrechtlicher Sicht ist es ratsam, weder auf die Bedingungen zu fokussieren, mit welchen die Unternehmen die hiker anlocken, noch auf die Art und Weise, wie die Verträge zu Stande kommen, sondern die tatsächliche Art der Dienstleistungserbringung in den Mittelpunkt zu rücken. Es ist möglich, dass die Geolokalisierung der hikers durch die Tablets, die Vergütung – in Form von Geld oder Rabatten – und der Rucksack selbst bereits Merkmale eines Arbeitsverhältnisses darstellen.

In jedem Fall wird die offene Debatte über die riders über kurz oder lang auch die hikers betreffen. Mit der Verabschiedung des spanischen königlichen Gesetzesdekrets 28/2018, vom 28. Dezember, zur Neubewertung der öffentlichen Pensionen und anderer dringender Maßnahmen aus den Bereichen Soziales, Arbeit und Beschäftigung (Real Decreto-ley 28/2018, de 28 de diciembre, para la revalorización de las pensiones públicas y otras medidas urgentes en materia social, laboral y de empleo) wird sich die Gewerbe- und Sozialversicherungsaufsicht (Inspección de Trabajo y Seguridad Social), die bis heute bereits 18.000 Fälle von Scheinselbstständigen festgestellt hat, dazu veranlasst sehen, diese neue Gruppe eingehend zu überwachen und vielleicht das höchstmögliche Bußgeld von 10.000 € je Arbeiter zu verhängen.